Neuigkeiten - Qualzucht

 

Wo beginnt die Qualzucht?

Kommentar von Axel Lehmkuhl zur Einführung der VDH Breed Specific Instruction (BSI oder Rassespezifische Anweisung). 

In einem Rundschreiben vom Januar 2022 informiert der VDH die Mitgliedsvereine über das Ausstellungsverbot von Hunden, die Qualzuchtmerkmale aufweisen. Hierzu gibt es „Rassespezifische Anweisung" (BSI) bezüglich zuchtbedingter Übertypisierung bei Rassehunden. Die aktuell in den BSI geführten Rassen wurden auf der Grundlage des geschätzten Risikos gesundheitsbeeinträchtigender Übertreibungen der Rassenmerkmale und einer möglichen irreführenden Interpretation des Standards ausgewählt. Das gilt nicht im allgemeinen für die Rasse, sondern für den einzelnen vom Zuchtrichter zu bewertenden Hund.

Zu den Rassen mit solch einem Risiko zählt auch der Amerikanische Cockerspaniel, dessen Risikobereiche sich auf „die Tendenzen zur Brachyzephalie" beziehen. Der immer kürzer gezüchtete Kopf mit zu kurzem Fang, zu kurzer abgerundeter Schädel und damit verbundene Probleme mit dem Gebiß, sollen stärker in der Bewertung beobachtet werden. Auch vorstehende Augen, flache Augenhöhlen starker Tränenfluss, lose Augenlider und ungesunde Leftzenfalten und nicht zuletzt übermäßiges Fellvolumen und falsche Fellstruktur sollen ein Augenmerk erhalten.

Die Zuchtrichter sind aufgefordert „auf korrekte Proportionen von Kopf und Fang, gesunde Augen, normalen Tränenfluss und ein korrektes Gebiss zu achten. Eine gute Länge des Brustkorbs und des Brustbeins sowie das korrekte Haarkleid sind ebenfalls von großer Bedeutung. Der Standard sagt über das Haar: „... von einer Beschaffenheit, die eine einfache Pflege ermöglicht“ und beschreibt im Rassekennzeichen „... das Aussehen und die Funktion eines sportlich, mäßig behaarten Hundes“.

Aber nicht nur rassespezifische Risikobereiche werden vom VDH angemahnt:
Allgemein die Atmung, die Größe der Augen, Gebiss und Zähne, Gewicht und Fell, Bewegung und Verhalten der Hunde soll stärker von den Zuchtrichtern auf die Vitalität und Lebenstüchtigkeit der Hunde beobachtet werden. In unserer Gruppe 8 wird auch die Wachstumsretardierung angemahnt. Die züchterische Einflussnahme auf die Größe der Hunde (oder auch Zwergenwuchs) und die damit verbundenen Folgen für das Skelett, die Fähigkeit sich gesund zu bewegen oder die natürliche Geburt.

 Es gilt der Appell an alle Züchter, stets das Wohlergehen des Tieres als Grundlage für die Zucht zu sehen und nicht das vermeintliche Einzüchten von bestimmten Eigenschaften. Der Standard gibt hier die Vorgabe, aber er darf nicht irreführend interpretiert werden. Dort wo er verbindlich ist,  wie bei Größe und Gewicht muss er eingehalten werden. Die Qualzucht beginnt, wo Extreme erreicht werden sollen: den kürzesten Kopf, den schnellsten Körper, das längste Haarkleid, den wendigsten Hund, die längsten Behänge oder was auch immer das Ergebnis leisten soll.

Extreme gilt es zu vermeiden. Und das ist auch richtig so.
Axel Lehmkuhl
komm. 1. Vorsitzender





Breed Specific Instructions

Der VDH-Vorstand hat für alle Ausstellungen die Breed Specific Instructions (BSI) in Kraft gesetzt. Die BSI beinhalten Empfehlungen an den Richter, die rassespezifischen Risikobereiche zu beobachten und Probleme sowie die Funktionalität in diesen Bereichen zu beachten. Sie sind eine Ergänzung zum Rassestandard, der rassetypische Merkmale und Verhalten beschreibt.

Ein Richter hat u.a. die Aufgabe Übertypisierung und gesundheitsgefährdende Auswirkungen bei den Rassen zu verhindern. Dies ist im Ausstellungsring zu berücksichtigen, in dem hohe Auszeichnungen für entsprechende Rassevertreter vermieden und stattdessen Exemplare mit der optimalen Kombination aus Rassetyp sowie Gesundheit und Funktionalität ausgezeichnet werden.

Die in den BSI aufgeführten Rassen wurden auf der Grundlage des geschätzten Risikos gesundheitsgefährdender Übertreibungen der Rassenmerkmale und einer möglichen irreführenden Interpretation des Standards ausgewählt.

Es handelt sich bei den aufgeführten Bewertungskriterien und der Auswahl der Rassen nicht um einen statischen Leitfaden. Vielmehr sind die BSI ein dynamisches Werkzeug, dass wir gemeinsam ständig weiter entwickeln möchten. Vorschläge der Richter, der Rassehunde-Zuchtvereine und des Wissenschaftlichen Beirats sind sehr willkommen und fließen in die BSI ein. Die Richter müssen für die in den BSI aufgeführten Rassen nach der Bewertung einen Fragebogen ausfüllen und über den Sonderleiter beim VDH einreichen.

Wir verfolgen mit den BSI das Ziel, weiterhin gesunde Rassehunde ohne gesundheitsgefährdende Übertreibungen im Ausstellungsring zu sehen und damit auch für die zukünftige Existenz unserer Rassen Sorge zu tragen.

Quelle: Verband für das Deutsche Hundewesen

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